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Literatur

Versuchs­anordnung, Ausradierung oder Palimpsest
Versuchs­anordnung, Ausradierung oder Palimpsest

Marie Glassl (Hg.)

Bildbeschreibung

Bitte beschreiben Sie ein Bild innerer oder äußerer Verwüstung, deren Gründe außerhalb des Rahmens bleiben, richten Sie den Blick auf die Darstellung einer zerstörten Landschaft, deren beobachtende Freilegung eine neue Vision lebbarer Zukunft grundieren kann. Als Tempus wählen Sie bitte das Präsens. Ihr Text kann vieles sein: Versuchs­anordnung, Ausradierung oder Palimpsest, Ikonographie eines Verschwindens, erzählerische Übermalung, archäologische Sondierung oder die Halluzination eines noch unsichtbaren Jenseits.   Please describe a picture of internal or external devastation, the reasons and origins of which remain...
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Ein Roadtrip ohne Road

Mário Gomes

Ein Roadtrip ohne Road

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Angelika Meier

Dreifaltigkeit meiner Zwirnspulenexistenz

In perfekt sitzender Uniform, die Hakenkreuzbinde frisch aufgebügelt, stehe ich in einer langen Schlange in einer amerikanischen Behörde, um einen Antrag auf einen total war zu stellen, doch nach stundenlangem Schlangestehen teilt mir der freundliche Sachbearbeiter mit, dass das application form for foreign aggressions im Saal nebenan zu erbitten sei. Da ich ein depressiver Faschist bin, lasse ich trotz meiner feschen braunen Uniform den Kopf immer recht schnell hängen und beschließe daher, für heute Schluss und lieber erst morgen den nächsten Versuch zu machen. Am nächsten Morgen stehe ich so auch tatsächlich wacker in der richtigen Schlange, habe dann aber nicht alle Papiere zusammen, um ordnungsgemäß einen total war zu beantragen. Neben der Geburtsurkunde (Original, keine Kopie!) fehlen mir zwei weitere Empfehlungsschreiben amerikanischer Staatsbürger. Man braucht fünf. Aber – ich dachte, drei… Nein, fünf insgesamt! Lächelnd hebt die Sachbearbeiterin ihre rechte Hand, die Finger anschaulich gespreizt. Wo ich doch aber schon...

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Johannes Binotto

Der Zähmung widersprechen

Von der Zähmung zu sprechen und ihr zu widersprechen muss damit anfangen, das Wort selbst zum Reden zu bringen. »Zahm« – der rätselhafte Ausdruck geht auf dieselben sprachgeschichtlichen Wurzeln zurück wie die Wörter »Damm« und »Zimmer«. Das Zähmen, so macht die Etymologie damit bereits klar, ist ein Akt der Eindämmung, des Abscheidens und der Einpassung. Was einmal gezähmt wurde, hat seither einen klar begrenzten Ort, seine eigene Kammer, in die es fortan nicht einmal mehr eingesperrt werden muss, weil es das Zimmer in Form seiner Zähmung dauernd mit sich herumträgt. Der zahme Bär an der Leine des Schaustellers, wie man ihn noch Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Jahrmärkten vorführte, schien zwar auf dem offenen Dorfplatz zu stehen, steckte dabei aber doch eigentlich im grausamen Käfig seines Dompteurs, den dieser ebenso eng wie unsichtbar um ihn gezimmert hatte.

Noch suggestiver ist da das Französische, wo man das zahme Tier »animal privé«...

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Lilian Peter

Mutter geht aus

Die Höhe ist weiblich, die Tiefe ist weiblich, die Weite ist weiblich, heißt das nicht, dass alles Erzählen überhaupt »weiblich« ist, und hat es also damit zu tun, dass der klassische Diskurs der Philosophie in einer klamaukhaft immerzu neu aufgerufenen Selbstbegründungsinszenierung seiner eigenen Göttlichkeit-­Männlichkeit ständig beschäftigt ist mit dem Versuch, Literatur zur Geschichte zu machen, weil die Literatur die allergrößte Bedrohung des Selbstbildes der Philosophie darstellt (während diese gleichzeitig wie eine artig gelernte Lektion in erwartbarer Regelmäßigkeit immer wieder nachplappert,...
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Maria Filomena Molder

So many egoists call themselves artists…

“So many egoists call themselves artists,” Rimbaud wrote to Paul Demeny on May 15, 1871. Even though that is not always obvious, ‘I’, the first person, is the most unknown person, a mystery that is constantly moving towards the other two, the second and third persons, a series of unfoldings and smatterings that eventually gelled as ‘Je est un autre’. That is why ‘apocryphal’ is a literarily irrelevant concept and ‘pseudo’ a symptom, the very proof that life, writing, is made up of echoes, which means that intrusions and thefts (Borges also discusses them) will always be the daily bread of those who write.

Words from others, words taken out of place and mutilated: here are the alms of time, that squanderer’s sole kindness. And so many others, mostly others who wrote, and many other pages, all of them apocryphal, all of them echoes, reflections. All this flows together into—two centuries...

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